Geschichte der Cannabismedizin

Cannabis in der Medizin – eine tausendjährige Geschichte

Die Verwendung von Cannabis als Medizin kann auf eine tausendjährige Geschichte zurückschauen. Zum erstem mal fand dies Erwähnung in dem Buch der Chinesischen Medizin über die Verwendung von Heilpflanzen “Shennong ben caojing” aus den Jahre 2737 vor Christi. Der chinesische Kaiser Shen Nung empfahl darin das Cannabisharz als Heilmittel bei Beriberi, Verstopfung, Frauenkrankheiten, Gicht, Malaria, Rheumatismus und Geistesabwesenheit. In der traditionellen chinesischen Medizin wurden vor allem Hanfsamen als abführendes, blutdrucksenkendes und antiseptisches Mittel genutzt.

Cannabis chinesisch

Weitere Erwähnungen wurden in eine der ältesten, 3500 Jahre alten medizinischen Textsammlungen, dem Papyrus Ebers, in Ägypten gefunden. Dort wurde Cannabis als Heilmittel für den Zehennagel empfohlen.

In der indische Heilkunde Ayurveda ist die Wirkung der Heilpflanze Hanf ebenfalls bekannt. Erste konkrete Anhaltspunkte finden sich in der aus dem 7. Jahrhundert stammenden Text- und Zauberspruchsammlung Atharva-Veda.. Dort wurden Charas (Cannabisharz), Ganja (getrocknete Blüte), Bhang (obere Blätter der weiblichen Pflanze) und Samen als medizinisch wertvolle Hanfprodukte erwähnt.

Auch in Europa soll Hanf schon vor Christus bei den Germanen als Heilmittel geschätzt worden sein, allerdings gibt es kaum detaillierte Beweise dafür.

Weitere Belege für die Verwendung von Hanf zu medizinischen Zwecken auch hierzulande finden sich in mittelalterlichen Rezepten des 9. und folgender Jahrhunderte. So z. Bsp zur Linderung von Ohrenschmerzen, Geschwüren und Schmerzen der weiblichen Brust. Allerdings ist es eher unwahrscheinlich, das bereits Cannabis mit höherem THC Gehalt dafür Verwendung fand. Hildegard von Bingen (1098 – 1179) schreibt über den Hanf: „… der im Kopf gesund ist, gut, den aber, der im Kopf krank ist, schädlich wirkt“.

Erste deutliche Hinweise auf die betäubenden Eigenschaften von Hanf finden sich erst bei den arabischen Ärzten des Mittelalters. Ibn-al-Baytar (13.Jh), der islamische Autor des umfangreichen Werkes über die Heil- und Nahrungsmittel, unterscheidet ausdrücklich den zur Fasergewinnung angebauten Hanf von den indischen Sorten, mit den stark berauschenden, schmerzstillenden Eigenschaften.

Europa 17.-19. Jahrhundert

Im 17. Jh. kamen Europäer, die durch Asien reisten zum ersten mal mit Cannabis mit höherem THC Gehalt in Berührung. Der Begriff Indischer Hanf wurde zu dieser Zeit durch den deutschen Naturalisten Georg Eberhard Rumpf eingeführt.

1830 wurde in Europa zum ersten mal die detaillierte Verwendung von indischen Hanf als Medizin von Theodor Friedrich Ludwig Nees von Esenbeck, einem Professor für Pharmazie und Botanik beschrieben. Zu weiteren Pionieren in Europa zählen der schottische Arzt und Wissenschaftler Sir William Brook O`Shaughnessy. 1833 bereiste er Indien und veröffentlichte 1839 seine Erfahrungen. So wurden bereits Cannabis Tinkturen Patienten mit rheumatischen Beschwerden, Tetanus, kindlichen Krämpfen und Cholera, Schlaf,- und Appetitlosigkeit verabreicht

Sir William Brook O`Shaughnessy
Sir William Brook O`Shaughnessy

Ende des 19. Jahrhunderts gewann auch in den USA und Europa die Verwendung von Cannabisprodukten immer größere Bedeutung und entwickelte sich bald zu einen häufig verschriebenen Medikament. Sie löste das damals oft verwendete Opium als Schmerzmittel ab, da es weniger Nebenwirkungen hervorrief. Das pharmazeutische Unternehmen Merck in Darmstadt war der führende Hersteller von Cannabispräparaten in Deutschland. Ein bekanntes Mittel war z.Bsp. Cannabinon (1884) oder Cannabin (1898), welche als Schmerzmittel, gegen Rheumatismus, Hysterie, Depressionen und Psychosen verschrieben wurde.

Cannabis Prohibition im 20. Jahrhundert

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann sich das Blatt zu wenden. Durch die Verunglimpfung von Cannabis als Genussmittel gerät der Gebrauch zu medizinischen Zwecken auch in die Hinterhand.

Auch war die Dosierung von Cannabisextrakten schwierig die Wirkung nicht immer vorhersehbar. Darüber hinaus kamen synthetische Medikamente wie Aspirin oder Opiate auf den Markt, die im Gegensatz zu Cannabis wasserlöslich waren und man daher leichter Injektionslösungen herstellen konnte. 1925 wurde Cannabis im Internationalen Opium-Abkommen von Den Haag aufgenommen und mit Opium, Morthium, Heroin und Kokain gleichgesetzt. Als Vorreiter der Cannabis Prohibition in den 30er zeigten sich die Bundesbehörde für Betäubungsmittel in den USA, allen voran Harry J. Anslinger. Die nach der Abschaffung der Alkoholprohibition scheinbar beschäftigungslos gewordenen Behörde entwickelte zum Teil haarsträubende Propaganda Kampangen, in denen Konsumenten als Wahnsinnige oder gar Mörder dargestellt wurden. Dies führte 1937 zuerst zu einem Steuergesetz und letztendlich zum Verbot. Bis 1961 war es in den USA verboten, an Cannabis zu forschen.

Plakat Reefer Madness
Filmplakat des Propagandfilmes "Reefer Madness" 1936

Unabhängig davon wurde in anderen Ländern weiterhin Forschung betrieben und das Cannabinoid THC 1942 zu ersten Mal nachgewiesen. Fast zur gleichen Zeit wurden die ersten Synthetischen Cannabinoide hergestellt und getestet. Seit 1964 konnten 400 der mehr als 1000 vermuteten Substanzen isoliert werden. In den weiteren Jahren entstanden hunderte von Studien, wo heilwirkende Prozesse bei der Verwendung von Cannabis nachgewiesen werden konnten.

Ab 1976 übernahm die amerikanische Pharmaindustrie sämtliche Forschungsergebnisse und lies weitere, unabhängig Forschung durch den Gesetzgeber verbieten. Sollte hiermit eine unliebsame Konkurrenz eines Naturheilmittels ausgeschaltet werden?

Durch die Volksabstimmungen in zahlreichen Budesstaaten der USA in den letzten Jahren, wurde der medizinische Gebrauch Schritt für Schritt wieder legalisiert. Forschung kann nun wieder intensiv betrieben werden, eine neue Industrie ist im Entstehen.

Aktuelle Entwicklung in Deutschland

Deutschland kann auf eine lange Geschichte des Hanfanbaus und der Hanfnutzung zurückblicken. Seit dem Inkrafttreten des Betäubungsmittelgesetzes (BtmG) 1982 war der Anbau von Hanf unabhängig vom THC Gehalt verboten. Seit 1996 kann THC armer Nutzhanf wieder angebaut werden. Allerdings muss dafür eine Genehmigung beantragt werden. Cannabis mit hohem THC Gehalt blieb weiterhin verboten.

2007 wurde zum ersten Mal eine Ausnahmegenehmigung vom BtmG zum medizinischen Besitz von Cannabisblüten aus der Apotheke erteilt.

Der Bundestag hat am 4. Mai 2016 ein Gesetze beschlossen, das den Zugang der Bevölkerung zu einer Therapie mit Cannabis bzw. auf Cannabis basierenden Medikamenten erleichtern soll. Dabei soll auch der staatlich kontrollierte Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken erlaubt werden.

Ebenfalls soll gewährleistet werden, das in speziellen Fällen die Krankenkassen sich an den Kosten der auf Rezept verschriebenen Medikamente beteiligen müssen. Eine Erlaubnis zum Eigenanbau zu therapeutischen Zwecken ist hingegen nicht enthalten. Im Januar 2017 wurde Cannabis als Medizin vom per Gesetz in Deuscthland erlaubt. Damit  wurde auch die Kostenübernahme durch die Krankenkassen geregelt.

Eine staatliche Cannabisagentur soll sich um den Import von medizinischen Cannabis-Arzneimitteln kümmern. Aufträge über den Anbau von Medizinalhanf sollen vergeben werden. Weiterverkaufen wird die Agentur diese Cannabis-Erzeugnisse an Arzneimittelhersteller, Großhändler und Apotheken mit entsprechenden betäubungsmittelrechtlichen Genehmigungen. Gewinn darf sie dabei nicht machen.

Am 28. September 2016 wurde durch das BfArM der erste Bescheid erlassen, mit dem einem Patienten der Eigenanbau von Cannabis für seine medizinische Selbstversorgung gestattet wurde.

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