CBD - Therapeutische Anwendung

Die CBD Anwendung in der Medizin befindet sich erst am Anfang. Lange Zeit konnte Cannabis wegen der psychoaktiven Wirkung des THC, ein weiterer Inhaltsstoff der Hanfpflanze, nicht näher erforscht werden. Hanf war schlichtweg illegal, als Droge verdammt, was dem Umgang erschwerte. Außerdem wurde das Cannabinoid erst später entdeckt, so das die Erforschung der Wirkung auf den Menschen und die daraus resultierenden Anwendungsgebiete noch nicht so weit fortgeschritten sind, wie beim großen „Bruder“ dem Tetrahydrocannabinol. Dennoch gibt es bereits zahlreiche Anwendungsgebiete, bei denen CBD erfolgreich eingesetzt wird. Außerdem wurde bei einer Vielzahl von wissenschaftlichen Studien an Menschen die positive Wirkung nachgewiesen. Des weiteren werden auch immer wieder Untersuchungen mit Hanf Extrakten an Tieren durchgeführt, um weitere möglichen medizinische Verwendungen zu erschließen. In dem folgenden Artikel soll auf die einzelnen Anwendungsgebiet näher eingegangen werden.

Erfolgreiche CBD Anwendung bei Krankheiten:

Anwendungen, die durch Studien an Menschen belegt wurden

Weiter vielversprechende Studien mit Tieren

In einer Online-Umfrage mit 2409 Teilnehmern, die in den USA in soziale Medien durchgeführt wurde, gaben 62 % der Befragten an, Cannabinoid zur Behandlung von Krankheiten zu nutzen. Die häufigsten Erkrankungen waren Schmerzen, Schlafstörungen, Angst und Depression. Nahezu 36 % der Antwortenden berichteten, damit Ihre Erkrankung „sehr gut“ behandelt zu haben. [1]
Eine weitere anerkannte Anwendung ist bei Eplilepsie. Neben CBD-Öl kommen auch das Medikament Epidiolex oder Sativex (beide von GW Pharmaceuticals) zu Einsatz, wobei das letztere auch THC beinhaltet.

 

Epilepsie

Zahlreichen wissenschaftliche Studien belegen, das CBD antiepileptische Eigenschaften besitzt.
Der Hersteller des Medikamentes Epidiolex, GW Pharmaceuticals, berichtete über positive Ergebnisse bei der Behandlung von Krampfanfällen im Zusammenhang mit dem Lennox-Gastaut-Syndrom, einer seltenen und schweren Epilepsieform, die in der Kindheit beginnt. Durch die Einnahme des Präparates in hoher Dosis bei Kranken, reduzierte sich die monatlichen Anfälle um signifikante 42%. [2]

Bei einen Kongress der amerikanischen Epilepsie-Gesellschat im Jahre 2014 wurden zwei klinische Studien vorgelegt, die die Wirksamkeit der Produkte Epidiolex belegte. Die Studien wurden in 16 Zentren an 261 Patienten, vor allem Kindern, durchgeführt. Nach einer dreimonatigen Behandlung hatte sich die Häufigkeit der Anfälle um die Hälfte bei 47% der Teilnehmer reduziert. [3]

Auch in Deutschland werden mittlerweile CBD-Extrakte erfolgreich bei bestimmten Epilepsieformen bei Kindern wie das Lennox-Gastaut-Syndrom, Dravet Syndrom oder Angelman-Syndrom eingesetzt.

Bei einer in Israel durchgeführten Studie in mehreren Zentren konnte die therapeutische Wirkung von Hanf mit hohem CBD Gehalt bei 74 Epilepsie Patienten im Alter von 1-18 Jahren nachgewiesen werden, die sich zuvor klassischen Medikamenten gegenüber resistent zeigten. Verwendet wurde ein CBD-Öl mit einem CBD:THC Verhältnis von 20:1, aufgelöst in Olivenöl.

 

Reduzierung des Appetits

Das Hanf appetitanregende Eigenschaften besitzt ist seit vielen Jahren bekannt. Dementsprechend wurde es lange Zeit zur Behandlung von Anorexie (Magersucht) und ähnlichen Essstörungen verwendet. Dabei spielt Tetrahydrocannabinol eine entscheidende Rolle. In neuen Studien konnte ein wesentlicher Zusammenhang zwischen dem Endocannabinoidsystem und Erkrankungen wie Anorexie festgestellt werden. Im Gegensatz zum Tetrahydrocannabinol wirkt CBD der Steigerung des Appetits entgegen und könnte bei Behandlung von Übergewicht eine wichtige Rolle spielen.

Der Wirkstoff verfügt über eine stimulierende Eigenschaft, die Zellen dazu anregt, überschüssige Proteine und Fette im Körper abzubauen. Er blockiert auch den CB1-Rezeptor im Endocannabinoidsystem, was zur Blockade des „Hungergefühls“ führen kann. Das die Einnahme von CBD zur Reduzierung der Nahrungsaufnahme führt, konnte in Studien u.a. mit Ratten nachgewiesen werden. [10]

 

Angststörungen und Posttraumatische Belastungsstörungen

In zahlreiche Tierversuchen und Studien an Menschen, konnte die angstreduzierende Wirkung von CBD-Extrakten nachgewiesen werden. Die Verwendung empfiehlt sich insbesondere, wenn klassische Medikamente wirkungslos bleiben. Darüber hinaus haben diese Extrakte im Gegensatz zu anderen angstlösenden und antidepressiven Medikamenten keine negativen Auswirkungen auf den Schlaf. [4]

 

Schlafstörungen

Eine der wenigen „Nebenwirkungen“ von CBD ist, das es schläfrig machen kann. Die Wirkung auf den Schlaft ist auch abhängig von der Dosierung. Außerdem reagieren Menschen unterschiedlich, so das nicht bei Allen die gleiche Wirkung eintritt. Cannabidiol wirkt vor allem Symptomen entgegen, die einen gesunden Schlaf hemmen können. Dazu zählen Schmerzen, innere Unruhe, Angstzustände, Muskelzuckungen oder „Zähneknirschen“. CBD ist muskelentspannend, baut Stress ab, kann erholsam und beruhigend wirken, und somit einen gesunden Schlaf fördern.

Studien:
In einen Tierversuch mit Ratten konnte nachgewiesen werden, das bei Verabreichung von CBD die Tiefschlafphase (REM Schlaf) verlängert wurde. [3]

An der Universität Anáhuac Mayab, Mérida, Mexiko wurde in weiteren Versuchen erforscht, dass CBD Substanzen im Gehirn verstärken, die wichtig für die Kontrolle der Wachheit sind, inklusive Acetylcholin, einen Botenstoff im Vorderhirn. [8]

In einer Studie mit 409 Menschen mit einer spezifizierten Schlafstörung am Psychologischen Institut der Universität von Neumexiko (USA) wies CBD eine größeren Symptomlinderung als Tetrahydrocannabinol auf. Es wurde auch nachgewiesen, das der Konsum von medizinischen Cannabisblüten mit einer signifikanten Verbesserung der wahrgenommenen Schlaflosigkeit verbunden ist. [9]

 

Entzündungsbedingte Schmerzen

CBD ist entzündungshemmend und kann Schmerzen lindern. Dabei wirkt es auf den Vanilloid-Rezeptor Typ 1 (VR1) im menschlichen Nervensystem. Dieser Rezeptor spielt bei der Schmerzwahrnehmung eine wichtige Rolle. CBD-Extrakte können zur Schmerzbehandlung verwendet werden, insbesondere wenn diese durch Entzündungen hervorrufen werden.

Unter den Cannabinoiden spielte Tetrahydrocannabinol bei der alternativen Behandlung von chronischen Schmerzen bisher die bedeutendere Rolle. Häufig werden aber THC/CBD Extrakte verabreicht, weil CBD einigen durch THC verursachten, unerwünschten Effekten (psychoaktive, Angst, Innere Unruhe) entgegen wirken kann.

Studien:
Erforscht wurde auch die Linderung von Beschwerden, die durch Arthritis und Rheuma hervorgerufen wurden. [5]

Die Wirksamkeit von THC-CBD Mixturen bei der Behandlung von Migräne und Cluster-Kopfschmerzen konnte in einer italienischen Studie nachgewiesen werden, die 2017 beim Kongress der Europäischen Akademie für Neurologie vorgestellt wurde. [6]

Die enzündungshemmende Wirkung von CBD konnte bisher nur an Studien mit Tieren, u.a. bei Hunden belegt werden. [7]

 

Krebs

Bisher gibt es nicht genügend fundierte wissenschaftliche Studien über die Wirksamkeit der Cannabinoide bei Krebserkrankungen von Menschen. Eine Behandlung mit Hanf Produkten stellt daher keine Alternative zu klassischen Therapien wie Chemotherapie oder Strahlentherapie dar. Vielmehr werden THC-CBD Präparate in der Krebsbegleitheraphie verwendet, um Symptome wir Übelkeit, Erbrechen, Depression, Ängste oder Appetitlosigkeit zu lindern.

In mehreren Tierversuchen konnte nachgewiesen werden, das neben THC auch CBD krebshemmende Eigenschaften hat. Besonders positive Ergebnisse konnten bei Leber,- oder Brustkrebs festgestellt werden. Bei dem Test an Mäusen wurden Krebszellen unter die Haut von Mäusen gespritzt wurden. Bei einigen Krebsarten könnte die Kombination beider Cannabinoide besser wirken. Es gibt Hinweise, das THC und CBD die Wirkung der Strahlentherapie und Chemotherapie verstärken können. [13]

Wissenschaftler der School of Human Sciences der Metropolitan-Universität von London (Großbritannien) fanden heraus, dass Cannabidiol die Freisetzung bestimmter Strukturen aus Krebszellen hemmt, die mit der Resistenz gegen Chemotherapeutika und dem Transfer von Faktoren, die Krebs fördern, verbunden sind. Dies konnte bei Prostatakrebs, Leberzellkrebs und Adenokarzinom der Brust festgestellt werden. [14]

Mittlerweile gibt es aber auch vielversprechende Fälle, wo der Einsatz von Cannabinoiden auch bei Menschen krebshemmende Eigenschaften entfaltete. Dr. med. Franjo Grotenhermen, Buchautor, und praktizierenden Arzt hat sich einen Namen gemacht auf dem Gebiet der Erforschung der Krebsbehandlung mit Cannabis. In seinen neuesten Buch „Cannabis gegegen Krebs“ bietet er eine sachliche und fundierte Übersicht über den aktuellen Stand der Wissenschaft zum therapeutischen Potenzial von Cannabinoiden bei verschiedenen Krebs Krankheiten und zu deren praktischer medizinischer Anwendung.

 

Abhängigkeit und Entzug

In einigen klinischen Studien an Ratten konnte nachgewiesen werden, das CBD die Wirkung von THC bei Entzug von Opiaten verstärken kann. Beide Cannabinoide können beim Entzug von Drogen wie Kokain und Alkohol hilfreich sein. [3]

In einer Studie mit 30 abhängigen Zigarettenrauchen reduzierte eine einzige CBD-Dosis von 800 mg im Vergleich zum Placebo die Annehmlichkeit von Zigaretten-Auslösereizen nach einer nächtlichen Abstinenzzeit. Sie wurde durch britische Forscher des Universitätskollegs London, des King‘s Kollegs London, der Universität von Exeter und der Universität von Bristol durchgeführt und in der Zeitschrift Addiction veröffentlicht. [11]

 

Schizophrenie, Parkinson

Bei einer Studie an der Universität Sao Paulo in Brasilien konnte die Reduzierung von psychotischen Symptomen bei Patienten mit Morbus Parkinson festgestellt werden. Die erste kontrollierte klinische Studie zur Behandlung der Schizophrenie wurde 2012 an der Universität Köln an 42 Patienten mit akuter Schizophrenie durchgeführt. Dabei konnte eine deutliche Abnahme der psychopathologischen Symptome nach vier Wochen langer Einnahme von täglich 800mg CBD diagnostiziert werden. Dabei traten wesentlich weniger Nebenwirkungen auf, als bei Patienten, die gleichzeitig das klassischen Medikament Amisulprid einnahmen. [3]

 

Autismus

Ein Cannabisextrakt mit hoher Cannabidiol – und niedrigen THC-Konzentrationen könnte wirksam bei der Behandlung von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen sein. Wissenschaftler des Shaare Zedek Medizinzentrums in Jerusalem (Israel) untersuchten die Wirkungen eines Cannabisextrakts bei 60 autistischen Kindern mit einem Durchschnittsalter von 11,8 Jahren (Spanne: 5 bis 18 Jahre).

Nach der Cannabisbehandlung waren die Verhaltensausbrüche bei 61 % der Patienten deutlich oder sehr deutlich verbessert. Die Angst und Kommunikationsprobleme waren bei 39 % deutlich verbessert und bei 47 % sehr deutlich verbessert. Störendes Verhalten wurde um 29 % verbessert. [12]

 

Multiple Sklerose

In einem Mausmodell der multiplen Sklerose (EAE) verlangsamte der Einsatz von Cannabidiol das Fortschreiten der Erkrankung, reduzierte die Infiltration durch bestimmte Immunzellen (T-Lymphozyten) in das zentrale Nervensystem und reduzierte die Spiegel entzündungsfördernder Zytokine (Interleukin-17, Interferon-Gamma). Die Behandlung mit CBD führte auch zu einer Zunahme der so genannten MDSC (myeloide Suppressorzellen), die die Vermehrung von T-Lymphozyten hemmen. Die Autoren folgerten, dass „diese Studien zum ersten Mal zeigen, dass eine CBD-Behandlung die EAE durch Induktion immunsuppressiver MDSC verbessern kann“. [15]

 

Arthritis, Arthrose

CBD wirkt entzündungshemmend und lindert entzündungsbedingte Beschwerden bei Arthritis oder Arthrose.

Die positive Wirkung von Cannabinoiden bei arthritisbedingten Beschwerden konnte bei einer Studien mit 58 Patienten im Royal National Hospital (Großbritannien) belegt werden. Hier kam das THC-CBD Extrakt Sativex zum Einsatz, welches signifikant Schmerzen lindern konnte und eine Verbesserung der Bewegungen der Patienten bedingte. [16]

In einer Placebo-kontrollierten Studie mit 22 Hunden, die an einer Osteoarthritis litten, erhöhte CBD das Befinden und die Aktivität der Tiere. Es wurden von den Besitzern keine Nebenwirkungen berichtet. Jede Behandlung dauerte 4 Wochen mit einer 2-wöchigen Auswaschphase. [7]

Autor: Peter Görbing

Quellen:

[1] Zentrum für medizinische Cannabis-Bildung, Del Mar, USA.
Corroon J and Phillips JA.Cannabis Cannabinoid Res. 2018;3(1):152-161.
[2] Epidiolex, Arzneinews
[3] Grotenhermen, Dr. med. Franjo; Berger, Markus; Gebhardt, Kathrin. Cannabidiol (CBD): Ein cannbishaltiges Compendium (German Edition)
[4] Linares IMP, Guimaraes FS, Eckeli A, Crippa ACS, Zuardi AW, Souza JDS, Hallak JE, Crippa JAS. No Acute Effects of Cannabidiol on the Sleep-Wake Cycle of Healthy Subjects: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled, Crossover Study. Front Pharmacol. 2018;9:315.
[5] Cannabinoid‐mediated antinociception is enhanced in rat osteoarthritic knees
[6] 3rd EAN Congress Amsterdam 2017, Abstract Nicolodi, et al.; Therapeutic Use of Cannabinoids – Dose Finding, Effects and Pilot Data of Effects in Chronic Migraine and Cluster Headache
[7] Klinik für Veterinärmedizin, Cornell Universität, Ithaca, USA.
Gamble LJ, et al. Front Vet Sci. 2018;5:165.
[8] Universität Anáhuac Mayab, Mérida, Mexiko.
Murillo-Rodríguez E, et al. Neurochem Res, 6. Juni 2018 [im Druck]
[9] Psychologisches Institut, Universität von Neumexiko, Albuquerque, USA.
Vigil JM, et al. Medicines (Basel). 2018;5(3).
[10] Farrimond JA, Whalley BJ, Williams CM., Cannabinol and cannabidiol exert opposing effects on rat feeding patterns
[11] Hindocha C, Freeman TP, Grabski M, Stroud JB, Crudgington H, Davies AC, Das RK, Lawn W, Morgan CJA, Curran HV. Cannabidiol reverses attentional bias to cigarette cues in a human experimental model of tobacco withdrawal. Addiction, 1. Mai 2018 [im Druck]
[12] Aran A, Cassuto H, Lubotzky A. Cannabidiol Based Medical Cannabis in Children with Autism- a Retrospective Feasibility Study. Neurology, 10. April 2018 [im Druck]
[13] Brigham and Women’s Hospital, Boston, USA.
Yasmin-Karim S, et al. Front Oncol. 2018;8:114.
[14] Kosgodage US, Mould R, Henley AB, Nunn AV, Guy GW, Thomas EL, Inal JM, Bell JD, Lange S. Cannabidiol (CBD) Is a Novel Inhibitor for Exosome and Microvesicle (EMV) Release in Cancer. Front Pharmacol. 2018;9:889.
[15] Universität von South Carolina, medizinische Fakultät, Columbia, USA.
Elliott DM, et al. Front Immunol. 2018;9:1782.
[16] Preliminary assessment of the efficacy, tolerability and safety of a cannabis-based medicine (Sativex) in the treatment of pain caused by rheumatoid arthritis.

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